Gemeindeheimat- und Schützenbund Jüchen
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Bürgerschützenverein Gierath-Gubberath 1930 e.V.

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Portrait des BSV Gierath-Gubberath

 

Seit es Menschen gibt, werden sich immer wieder Gruppen zusammengefunden haben, um sich vom Tagwerk zu entspannen und zu vergnügen. Aufzeichnungen darüber gibt es allerdings nicht. Nur aus dem Gedächtnis und aus Erzählungen lässt sich einiges rekonstruieren und vermuten. Meist gab es aus wirtschaftlichen Gründen nur wenige Möglichkeiten, in einem größeren Rahmen zu feiern. Das gesellige Miteinander im Doppeldorf reicht sicherlich weit über das Jahr 1930 hinaus.

 

Am 11. September 1929 um 21.00 Uhr traten 41 Herren aus den Vorständen anderer Vereine des Doppeldorfes im Saal der Restauration Engemann zusammen. Zweck der Versammlung war die Beratung und Aussprache über eine eventuell zu gründende Schützengesellschaft. Nach gründlicher Aussprache wurde diese Gründung beschlossen. Ebenfalls wurde beschlossen, am Kirmessonntag, dem 15. September 1929 das Gründungsfest mit einem Festzug durch Gierath und Gubberath zu feiern. Die damalige St. Sebastianus Bruderschaft unter Führung von Hugo Engemann zog durch die Dörfer.

Am 1. Januar 1930 kam es dann zur Gründungsversammlung in Gubberath. Im Protokoll heißt es:

 

„Am Neujahrstage 1930 versammelte sich im Gasthof „Zur Linde“ von Adam Hoster in Gubberath eine stattliche Anzahl Bürger aus Gierath und Gubberath, zwecks Gründung eines Bürger-Schützenvereins. Schon Wochen vorher waren die Vorstände der ansässigen Vereine zusammengekommen, um aus ihren Reihen Leute mit den entsprechenden Vorarbeiten zu betrauen. … Als Versammlungsleiter amtierte Herr Hauptlehrer Scheuermann.“

 

Einstimmig wurde Felix Scheuermann zum Präsidenten gewählt. Insgesamt 160 Personen hatten sich bereits vor der Zusammenkunft als Mitglieder eintragen lassen. Erster Oberst wurde Eduard Lenzen. Erster Schützenkönig war S.M. Heinrich I. Reibel mit Königin Christine. Das Schützenfest feierte man allerdings nicht zusammen, es war auf drei Säle verteilt. Die Feiern fanden im Saale Wassenberg, im Saale Engemann (beide Gierath) und im Saale Hoster (Gubberath) statt. Für die Bildung eines Gemeinschaftsgefühls war das sicherlich nicht zuträglich.

 

Bedingt durch den 2. Weltkrieg fanden von 1939 bis 1948 keine Schützenfeste statt. Daher waren S.M. Heinrich II. und Königin Sophia Meger Königspaar der Jahre 1938/1949. Nach dem Krieg kam das Schützenleben jedoch erst ganz allmählich wieder in Schwung. Wie hatte man sich geschworen: Nie mehr eine Uniform anziehen, nie mehr Kommissstiefel zu tragen. Man stand noch unter dem Schock des Krieges.

 

Nach der anfänglichen Skepsis erkannte man sehr schnell auch die Freuden eines Schützenfestes. Heinrich Meger hatte es geschafft, die Königskette über die Wirren des 2. Weltkrieges zu bringen. Er verbarg die Kette in einem Bienenkorb. Als es in Gierath-Gubberath wieder ruhig geworden war, holte er die Kette wieder hervor und siehe da, seine Bienen hatten die ganze Kette mit Wachs und Honig überzogen, so dass man auch heute noch mit Fug und Recht von einer süßen Last sprechen kann, wenn man die Kette trägt.

 

Im Amtlichen Mitteilungsblatt des Landkreises Grevenbroich Nr. 24 vom 17. Juni 1949 Seite 4 ist die Veröffentlichung über das Bestehen des Vereins zu finden.

Die Gründung des Bürgerschützenvereins im Jahr 1930 ging bereits auf die ansässigen Vereine zurück. Seine besondere Rolle wurde im Jahr 1952 nochmals dokumentiert. Damals trafen sich die Vertreter der innerhalb der Dorfgemeinschaft ansässigen Vereine.

Am 4. Mai 1952 gründeten sie die Vereinsvereinigung Gierath-Gubberath unter Führung des Bürgerschützenvereins. BSV Präsident Hermann Wollmer übernahm den Vorsitz. Die Satzung wurde von folgenden Vereinen anerkannt: Bürgerschützenverein, Sportverein, Feuerwehr, Karnevalsgesellschaft, Trommlerchor, Kirchenchor, Kegelklub Geselligkeit, Kegelklub Fresch-Drop, TTC, Taubenverein und Kath. Arbeiterverein.

Von 1950 bis einschließlich 1959 wurden für den Fackelzug Großfackeln gebaut und mitgeführt. In mühevoller Kleinarbeit wurden diese immer weiter perfektioniert und durch Beleuchtung und bewegliche Teile erhielten sie ihren besonderen Reiz. Zum Thema wurden oftmals "Dorforiginale" oder aber auch lustige Ereignisse im Doppeldorf gemacht.

 

1951 musste die Verlegung des Schützenfesttermins beschlossen werden und man einigte sich auf den 3. Sonntag im August, welcher bis zum heutigen Tag der feste Termin für das Schützenfest ist. Als auf einer Generalversammlung im Jahr 1951 mit 85 Prozent die Errichtung eines Festzeltes beschlossen wurde, trat Heinrich Meger zurück, da er sich mit diesem Gedanken nicht anfreunden konnte. Am 06.10.1951 wurde Hermann Wollmer zu seinem Nachfolger gewählt.

 

Erstmals 1952 wurde die Königswürde des Bürgerschützenvereins ausgeschossen. Bis dahin wurden die Schützenkönige immer gewählt. Das Schießen fand auf der Kegelbahn bei Engemann statt. Die höchste Ringzahl erreichte der Präsident. Königspaar des Jahres 1952/1953 waren S.M. Hermann III. und Königin Olga Wollmer. Zum Schützenfest 1953 wurde das Ehrenmal für die Gefallenen beider Weltkriege eingeweiht. Bisher hatte das Ehrenmal auf dem Friedhof gestanden.

 

Im Jahr 1955 wurde der König zum ersten Mal am Schützenfestdienstag durch Vogelschuss ermittelt. König wurde S.M. Willi III. mit Königin Grete Willkomm. Schon im darauf folgenden Jahr fand das Königsvogelschießen am Schützenfestmontag statt. Dies sollte sich bis 1979 auch nicht ändern. Da sich die Königspaare auf ihre Krönung am Schützenfestdienstag nicht vorbereiten konnten, findet der Vogelschuss seither im Rahmen der Frühkirmes statt.

 

Auf den ersten Präsidenten des Bürgerschützenvereins, Felix Scheuermann 1930-1933 folgten Heinrich Reibel (1933-1943), Andreas Strerath (1949-1950), Heinrich Meger (1950-1951), Hermann Wollmer (1951-1975), Hans-Werner Warsönke (1975-1994), Franz-Josef Schmitz (1994-2006), Karlheinz Engels (2006-2014) und Ralf Kriesemer (seit 2014).

 

Der Bürgerschützenverein Gierath-Gubberath ist auch heute noch die treibende Kraft, wenn es um die Pflege der Gemeinschaft im Doppeldorf geht. Seine Arbeit steht unter dem Motto: „Miteinander fördern. Lebensqualität schaffen. Tradition bewahren. Heimat pflegen.“ Diesem Motto folgend organisierte der Verein im Jahr 2015 die Feierlichkeiten anlässlich des 950jährigen Dorfjubiläums. An den Feierlichkeiten nahmen neben den Schützen aus Gierath-Gubberath über 30 Honoratioren aus Politik, Wirtschaft, Sport und Gesellschaft, rund 200 Schützen und acht Königspaare aus dem gesamten Gemeindegebiet teil. Ebenfalls im Jahr 2015 würdigte der Bürgerschützenverein im Rahmen der Gedenkstunde zum Volkstrauertag am Ehrenmal Pastor Walter Schönheit. Er verhinderte durch seinen mutigen Einsatz am 27.02.1945, dass es in Gierath und Gubberath zu weiteren Toten und Verletzten kam. Während die Amerikaner die Dörfer mit Beschuss belegten, ging er ihnen mit der weißen Fahne durch das Granatfeuer entgegen. Er verbürgte sich für die Einwohner und so stellten sie schließlich das Feuer ein. 70 Jahre danach ehrt der Bürgerschützenverein diesen Einsatz und zeigt auch so wieder, dass der Verein auch als Heimatverein tätig ist.

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