Gemeindeheimat- und Schützenbund Jüchen
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St. Sebastianus Schützenbruderschaft Garzweiler um 1450

Hier gelangen Sie zur Homepage der St. Sebastianus Schützenbruderschaft Garzweiler.

 

 

Geschichte der Bruderschaft im Zeitraffer

 

Aus dem Visitationsbericht von Jülich-Berg, datiert auf den 6. August 1550 in Bezug auf Garzweiler: „Ist ein broderschaft, wird gehalten wie von alders...“ Daraus folgt nach dem Bericht des Staatsarchivs in Düsseldorf vom 8. Januar 1954, dass im Jahre 1550 eine Bruderschaft in Garzweiler bereits seit Menschengedenken bestand, mit größter Wahrscheinlichkeit also bereits vor 1500 existierte.

 

Pfarrer Krautstern berichtete 1690: „Die Prozessionen werden wie folgt gehalten: Den 12. Mai, am Patronatsfest, ist Gottestracht. Die Hauptpredigt wird gehalten an der Landstraßen. Die Junggesellen, welche den Baldachin tragen und mit dem Gewehr aufwarten, haben 1689 zwei Reichstaler empfangen und verzehrt. Vorhin haben sie ein Ohm Bier gehabt, worauf sie am Sendt 1687 verzichtet, damit der Herr Vicarius vor der Kirche den Pollenwein hätte und nicht genöthigt würde, denselben selbst zu beschaffen.“

 

Ewald gibt in seinem Werk „Rheinische Schützengesellschaften“ die Gründung bzw. die ältesten Statuten mit 1732 an. Mit Sicherheit ist anzunehmen, dass es sich um eine Wiederaufrichtung der Bruderschaft 1732 handelt, die auf Betreiben des Pfarrer Schüller durchgeführt wurde. Das Protokollbuch aus diesem denkwürdigen Jahr enthält neben dem Gründungsbericht die Namen aller Bruderschaftsmitglieder vom Jahre 1732 bis 1908.

 

Aus dem Jahr 1732 stammt auch das älteste Königssilber. Ein Schild in der Kerzenkapelle in Kevelaer mit der Inschrift: „Fußprozession der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft GARZWEILER seid 1732“ weist auf das gleiche Jahr hin.

Im Jahre 1891 wurden in einer außerordentlichen Generalversammlung der Bruderschaft am Dreikönigstage auf Antrag des damaligen Pfarrers Heinrich Julius Emil Kölges die bis zu diesem Zeitpunkt unveränderten Statuten aus dem Jahre 1732 neu gefasst und zwar, wie es im Protokoll heißt, „...unter Beibehaltung des ursprünglichen Geistes und ihrer bisherigen Grundzüge...“

 

Am 21. Januar 1921 beschloss die Bruderschaft auf Anregung von Präses Pfarrer Dr. Schmitz der seit 1891 geltenden Satzung eine neue Fassung zu geben.

 

Am 8. und 9. Mai 1921 wurde das erste Schützenfest nach dem ersten Weltkrieg gefeiert. Der König musste gewählt werden, bis dann 1926 von der Besatzung der Vogelschuss genehmigt wurde. Da das Geld für die erforderliche Schießanlage fehlte, gab es auch ab 1930 keinen Vogelschuss, sondern erst wieder 1936.

 

Das Jubelfest ihres 400-jährigen Bestehens feierte die Garzweiler Bruderschaft am 14. und 15. Mai 1933. Wenige Monate vorher hatte Hitler mit seiner NSDAP die Macht in Deutschland an sich gerissen. Aus dem Bericht des Pfarrers Ball über das Jubelfest heißt es: „Es fanden sich die Bruderschaften des Bezirkes und der näheren Umgebung in nicht geahnter Stärke ein, um dem ersten Schützentreffen des neuen Bezirkes das geziemende Ansehen nach außen zu verleihen...“ „15 Schützenkönige nahmen mit ihrem Gefolge die Parade bei Klöter (!) ab...“. Das war der erste gemeinsame Auftritt des Bezirksverbandes Grevenbroich, der 1932 gegründet worden war.

 

Im Laufe des Jahres 1933 wurde den Bruderschaften dann durch die Nationalsozialisten jedes öffentliche Auftreten verboten. Sie konnten sich nur noch sonntags im kirchlichen Bereich betätigen. Das galt auch für die Bruderschaft in Garzweiler. 1936 wurde ein selbständiger Schützenzug unter Major Heinen gebildet, dem die Bruderschaft das Königssilber ab 1933 als Grundlage für eine eigene Kette übergab. Versammlungen der kirchlichen Vereine durften nur noch in kirchlichen Räumen stattfinden. „Zudem darf er (der Schützenverein) nicht mehr den Namen St. Sebastianus führen (es wurde sogar auf Plakaten zum Schützenfest untersagt)“, protokolliert Präses Pfarrer Ball über die Generalversammlung am 22. Januar 1939 im Kloster an der Landstraße. Die letzte fand 1940 in der Kirche statt. Das Königssilber trug von 1939 beim letzten Fest vor dem Krieg Heinrich Bierewirtz bis 1947.

 

Am 9. Februar 1946 starb Pfarrer Adam Ball. Sein Nachfolger wurde Pfarrer Kittler. Dieser lud vor Fronleichnam alle zur Versammlung ein, die in der Bruderschaft mitarbeiten wollten, und erreichte die Genehmigung der Militärregierung, dass Schützen in Uniform an der Prozession teilnehmen durften. Ebenso wurde der Bruderschaft die Wiederaufnahme ihrer Arbeit genehmigt. In einer Versammlung am 3. August 1946 wählten die Schützen Heinrich Heinen zu ihrem Präsidenten und General des Regimentes sowie Wilhelm Schnitzler zum Brudermeister, Werner Büttgenbach zum Geschäftsführer und Anton Postels zum Kassierer

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Bei der Generalversammlung am 20. Januar 1947 zählte die Bruderschaft 100 Mitglieder.

 

10. bis 12. Mai 1947: Erstes Schützenfest nach dem zweiten Weltkrieg mit dem Königspaar Theodor Nefen und Agnes, geb. Esser.

 

Seit 1948 kürt die Bruderschaft neben dem Schützenkönig auch einen Schützenprinzen, als Vertreter der Jungschützen.

 

20. bis 21. März 1982: Ausstellung „Aus der Geschichte des Dorfes und seiner Bruderschaft“

 

8. bis 11. Mai 1982 Jubiläum: 250 Jahre nach 1732, dem Jahr der „Wiederaufrichtung“ der Bruderschaft und der ersten Fußpilgerwallfahrt nach Kevelaer. Ein Schild kündet hiervon in der Kerzenkapelle in Kevelaer.

 

1987 feierten die Bürger von Garzweiler unter Beteiligung aller Bruderschaften des Bezirksverbandes sowie aller Schützenvereine der Gemeinde Jüchen das letzte Schützenfest im alten Dorf, dessen Häuserzeilen schon Lücken aufwiesen. Es wurde zu einer eindrucksvollen Kundgebung der Sympathie für die Umsiedler. Garzweiler und seine Bruderschaft standen für Tage im öffentlichen Interesse. Presse, Rundfunk und Fernsehen berichteten darüber. Die Umsiedlung erbrachte den Beweis, dass die Garzweiler an ihren Bräuchen festhalten. Kein Fest fiel in der Zeit der Umsiedlungsphase aus. Kirmes und Schützenfest trugen zum Erhalt der Dorfgemeinschaft bei.

 

Das erste Schützenfest im neuen Dorf vom 7. bis 10. Mai 1988 erhielt besondere Bedeutung mit der Weihe der neuen Kirche durch Bischof Klaus Hemmerle. Um deren Bau und den Erhalt der Pfarrgemeinde hatte sich Pastor und Präses Michael Schmitz mit Erfolg bemüht.

 

Juli - August 1989: Aus Steinen der alten Kirche erbauten Schützenbrüder eine Kapelle zur Ehren der Gottesmutter, in der die Madonnenstatue des Marienhofes ihren Platz fand und wo am Patronatsfest des heiligen Pankratius und zu Fronleichnam der Segen erteilt wird. Vor ihr versammeln sich auch die Kevelaerpilger zum Abschluss ihrer Wallfahrt.

 

9. bis 10. September 1989: Abschluss der Umsiedlung in Verbindung mit dem Pfarrfest. Vorstellung „Geschichte der Gemeinde Garzweiler“ von Professor Dr. H. G. Kirchhoff.

 

10. bis 13. Mai 1997: 50 Jahre Schützenfest nach dem Krieg 1947 - 1997

 

1. Mai 2000: Errichtung des Schützenbaums auf dem Dorfplatz, erbaut von den Brüdern Peter und Christoph Robert.

 

13. bis 16. Mai 2000: Jubiläumsfest „550 Jahre St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft Garzweiler“

 

4. Oktober 2003: Eröffnung des Dorf-Archivs im Pfarrheim, das auf die Initiative der Ehren-Brudermeister Peter Giesen und Dieter De Girolami entstand.

 

15.Januar 2005: Die St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft Garzweiler schaltet ihre neue Homepage im Internet frei.

Bei der Gestaltung des Schützenfestes ist so manches erfunden und Brauch geworden, was es eben nur in Garzweiler gibt. Seit

1949 kürt die Bruderschaft neben ihrem König einen Prinzen als Vertreter der jüngeren Schützen.

Es dröhnt der Zeltboden, wenn am Krönungsabend die Züge zur Gratulation aufmarschieren. Da ertönt Beifall, wenn es der Wachgruppe, unter Kennern auch „Todeskommando“ genannt, beim Fahnenschwenken doch noch gelingt, sich vor dem befürchteten Zusammenprall zu retten.

 

Guter Brauch ist es auch seit Jahrzehnten, dass die Kinder am Samstagmorgen die Kirmes mit Liedern, die mundartlich Kirmesbräuche vorstellen, ansingen.

 

Da hat sich aus der früher üblichen Vorstandssitzung am Montagmorgen der Kirmes, die aus unerklärlichen Gründen „historisch“ genannt wird, ein Treffen der Dorfgemeinschaft, der Schützenschwestern und -brüder mit Gästen, die sich als Freunde des Dorfes fühlen, entwickelt, auf das sich alle, die daran einmal teilnahmen, immer wieder freuen.

 

Beim ersten Schützenfest nach dem zweiten Weltkrieg hielt der damalige Feldwebel Willi Büttgenbach, genannt „Nutt“, erstmalig eine „Parole“, ein humorvoller, oft zwerchfellerschütternder Bericht über das Festgeschehen, die Haltung und das „Fehlverhalten“ von Schützenbrüdern. Diese Parole ist zu einer Tradition geworden und wird als fester Bestandteil zum Ende der Historischen Sitzung vom amtierenden Jägermajor vorgetragen. „Man muss diese Stimmung einmal mitgemacht haben, um das Erlebnis bewerten zu können“, so das Urteil eines Gastes.

 

Seit 1947 ist es in Garzweiler Brauch, den König auf Vorschlag des Vorstands durch die Generalversammlung zum Patronatsfest des HI. Sebastians wählen zu lassen. So war es auch lange Zeit nach 1921 gewesen, da die Besatzung das Schießen nicht zuließ. Mancher bedauert, dass es den alten Brauch des Vogelschusses nicht mehr gibt. Das war eine Veranstaltung einer besonders spannungsgeladenen Art, aber die Entscheidung per Wahl birgt jedoch die bessere Möglichkeit des Nachdenkens und Entscheidens über den neuen König, auch mit möglichen Bewerben. Bisher ist es den „Königsmachern“ noch immer gelungen, einen neuen Kandidaten zu finden.

 

Wilhelm Wirtz war 1951 mit 75 Jahren der älteste König, Christoph Robert mit 27 in 1992 der jüngste. Der König mit der kürzesten Amtszeit war 1967 Anton Postels, als er bei der Verlegung der Krönung von Freitag auf Montag genau die drei Tage zum Schützenfest die Königskette trug. Die längste Amtszeit hatte Peter Schiffer vom Schützenfestdienstag 2003 bis zum Schützenfestfreitag 2005, da in 2004 die Krönung von Dienstag auf den Freitag verlegt wurde. Das Königspaar feiert seitdem sein Schützenfest wieder zu Beginn seiner Amtszeit.

 

 

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